Bevor ich hier vielleicht noch einen längeren Bericht über meine zweitägige Hundeschlittentour an den Sassenfjorden und den anschließenden Scootertrip an die Ostküste verfasse, gibt es hier schon einmal ein paar Appetithäppchen. Nur soviel vorerst: Es waren wirklich zwei unvergessliche Trips. Der Hundeschlittentrip war ruhig fernab jeglichen Scooterlärms und die Nacht im Zelt wirkte so unglaublich fernab der Zivilisation. Der Scootertrip in die Agardhbukta bot vor allem eine unberührte Natur in unglaublichem Licht und war unsere erste größere planerische und fahrerische Herausforderung. Und jetzt zu den Bildern…

Was mache ich hier also so den lieben langen Tag – abgesehen vom Studieren und den üblichen Beschäftigungen, die ich hier immer wieder beschrieben habe? Gestern zum Beispiel klingelte gegen Abend das Telefon und Jago wollte mich auf einen spontanen Scootertrip zu einer russischen Hütte in einer verlassenen Siedlung im Colesdalen überreden. Da ja bekanntlich „Nein-Sagen“ nicht zu meinen Stärken gehört, ging es dann auch gegen 22:00 Uhr los. Die Siedlung ist am inzwischen wieder eisfreien Isfjord gelegen und befindet sich mitten zwischen Barentsburg und Longyearbyen. Der „Lichtschein“ beider „Städte“ deutete uns also den Weg. Die Hütte selbst war überraschend einladend, ja gar hübsch und in ihr ein kleines Museum eingerichtet.

Einer anderen beliebten Aktivität gingen wir am letzten Wochenende nach. Bekannterweise ist das Liftsystem hier oben etwas dünn gesäht, sodass man, falls man mehr als nur eins, zweimal einen Hang hinunter Telemarken will, andere Wege einschlagen muss. Zu mindestens zwei Personen geht es mit einem Scooter hinauf auf den Berg, hinab fährt einer der beiden mit Skiern, hinauf gehts wieder mit dem Scooter und so weiter und so fort. So kommt man dann doch auf einige Abfahrten!!! Nächste Woche wird dann die nächste Variante ausprobiert: An einem Seil hängend, welches am Scooter montiert ist, wird ganz wie beim Wasserskifahren ein Schwung nach dem anderen gezogen…

Nach langer Zeit gibt es also doch wieder Neuigkeiten aus dem hohen Norden. Eigentlich dachte ich ja, dass ich in der dunklen Saison ein wenig mehr zum Pflegen meines Blogs kommen würde, aber irgendwie ist immer etwas zu tun – glücklicherweise. Gerade in den letzten Wochen ist hier vor allem mit all den neuen Studenten sprunghaft wieder Leben in den Baracken eingekehrt. Aber auch die Einsamkeit über Weihnachten und Silvester war eine wirklich schöne Erfahrung. Meine ersten beiden Bücher auf Norwegisch zu lesen und im Dunklen mit einem selbst reparierten Scooter durch die Gegend zu heizen, möchte ich nicht missen. Im Januar wurde es dann aber, wie bereits erwähnt, wieder „crowdy“. Und dabei als „alter“ Student von den all den Neuen mit Fragen gelöchert zu werden, ist schon ein etwas seltsames Gefühl. Plötzlich ist man einer der „Erfahrenen“ hier oben.

Richtig interessant war der einwöchige Safetykurs zu Beginn des Semesters. Die Inhalte reichten von erster Hilfe, über Lawinrettung und Gletscherbergung bis hin zu Grundlagen über das Seeeis. Dabei waren sowohl Theorie als auch praktische Übungen im Programm inbegriffen – bei Temperaturen von bis zu -32°C besonders für die neuen Studenten eine interessante Erfahrung.  Gekrönt wurde die Woche von einer vierstündigen Rettungs- und Bergungssimulation am Fuße unseres Hausgletschers Longyearbreen. Ob die anschließende Party an UNIS eigens für mich organisiert wurde, wage ich allerdings trotz des Datums (10.01.) zu bezweifeln. ;-)

Inzwischen ist mit dem Beginn der Vorlesungen eher wieder der „normale“ Wochenrhythmus eingekehrt: Telemarken, Scooterfahren, Rugby, Kajakpolo, das erste „Blau“ am Horizont bewundern und ganz viel Norwegisch reden!!!

In den letzten Tagen konnte ich mich auch die ersten Male für diesen Winter im Skilanglauf versuchen. Endlich ist es also wieder so weit.Endlich ist genügend Schnee vorhanden um eine kleine Scootertour auf den Longyearbreen zu wagen.  Gleich wird sich dann also zeigen ob die 120 Pferdestärken ihrem Namen auch gerecht werden. Falls ich mich nach der Tour nicht wieder melde, dann wurden sie ihrem Namen wohl mehr als gerecht ;-)

Und so ganz nebenbei wünsche ich ein großes „God Jul“ (Frohe Weihnachten) in die Runde – an alle erwarteten und unerwarteten Mitleser. Grüße also nach Hildesheim, Braunschweig, Göttingen und besonders nach Hamburg Farmsen und ins norwegische Skrautvål i Valdres!

Siden idag er jeg helt alene på etasjen min. Nils er også ned på Unis, så brakken er min. Først handling min er å høre riktig høy musikk i kjøkken min – med åpnet døren…

Viel Spaß beim Entziffern ;-)

Das Leben wird still in Longyearbyen. Die hell lockende Heimat ruft den Großteil der Studenten zurück und so sind wir jetzt nur noch zu viert in meiner 28 Studenten fassenden Baracke. Ab Freitag sind wir dann zu zweit. Ich sag mal:“ Man kennt sich, nicht wahr Nils?“.

Aber diese einsame, ruhige Stimmung hat auch ihren ganz besonderen Reiz. Hat man sich erstmal damit abgefunden, dass der Tagesrythmus nicht mehr vom Sonnenlicht gelenkt wird, haben die täglichen 12 Stunden Schlaf durchaus etwas entspannendes. Vom inzwischen zweimal wöchentlich stattfindenden Kanupolo abgesehen, gibt es schließlich keine terminlichen Verpflichtungen. Das letzte Wochenende kann als Paradebeispiel für das gelten, was die Dunkelheit mit uns anstellt. Und es ist durchaus eine interessante Erfahrung. Man darf sich nur nicht dagegen wehren.

Wir, das heißt mal wieder ein Haufen hier zurückgebliebener Deutscher, machten uns auf in die Studentenhütte in Svea. Svea ist die größte verbliebene Kohlegrube auf Spitzbergen und als Studenten konnten wir den Transit-Flug nutzen, der die pendelnden Arbeiter zwischen Longyearbyen und Svea transportiert. Nach diesem ersten Highlight ging es zu Fuß weiter im Schein des Vollmondes Richtung Hütte. Nachdem wir die Hütte stilecht mit Kohle auf Temperatur gebracht hatten, verließen wir diese auch nur höchst selten. Wir hatten einige schöne kleine Spaziergänge die dem „Kohle-Mundraub“ und dem „Mondschein-genießen“ dienten. Im Großen und Ganzen entspannten wir aber auf höchstem Niveau, schliefen 12-14 Stunden pro Tag, kochten, aßen én mass, spielten Karten und aßen…

Zum Ende hin hatten wir aus drei Nächten zwei gemacht, ein eigener Tagesrythmus von circa 30 Stunden war entstanden. Es spielt eben einfach keine Rolle wie spät es ist, der Tag ist das was wir daraus machen – inklusive seiner Länge. Jetzt, um 1:30 MEZ, da ich diese Zeilen schreibe, ist es also früher Nachmittag in meinem Kopf und Körper.

In Reichweite unserer Baracken gibt es eine Vielzahl von Höhlen. Teilweise sind sie in den Moränen der Gletscher angesiedelt, teilweise liegen sie unter dem Gletscher selbst und wieder andere sind eine Kombination aus Beidem. In jedem Fall bilden sich die Gangsysteme durch Schmelzwasser der Gletscher, das im Sommer den Gletscher hinab fließt und sich ins Eis „frisst“.

Gestern Nacht wollten wir endlich die Eisgrotte unter dem Longyearbreen besuchen – vielleicht wäre es auch ganz gut diese Höhle gesehen zu haben bevor ich als Touristenführer regelmäßig dorthin unterwegs bin ;-)

Allerdings stellte sich heraus, dass der Eingang völlig vereist ist und es größerer Anstrengungen bedarf diesen freizuräumen. Deswegen versuchten wir uns an einer Grotte unter der Moräne des Longyearbreen. Nachdem wir allerdings auch dort circa 2 Meter Schnee auf engstem Raum herausgeschaufelt hatten, zogen wir einen heißen Kakao weiteren Anstrengungen vor. Der größte Teil der Arbeit sollte aber gemacht sein, sodass wir die Höhle demnächst durchwandern können…

Anbei habe ich einmal eine wilde Sammlung von Photos!

Unsere Spontanaktion gestern Abend hat einem schönen Abend die Krönung verpasst. Zwar stellte sich an der Höhle angekommen heraus, dass der starke Wind der letzten Tage den Eingang zugeweht hatte, aber in Schichtarbeit konnten wir den schmalen Zutritt zur vereisten Moräne wieder frei räumen. Die jeweils Wartenden mussten zwar -15°C über sich ergehen lassten, die bisher schönsten Polarlichter dieser Saison konnten aber für das „Am Boden Festfrieren“ durchaus entschädigen. Der ganze Himmel flackerte und am Gipfel des Sarkofagen schien der grüne Schleier schier herabzufließen. Bei einem solchen Panorama kann man zwischendurch schon auch einmal vergessen einen feststeckenden Schichtarbeiter wieder aus dem Loch zu ziehen ;-)

Die Höhle selbst war dann bei nur noch leichten Minusgraden und vor allem ohne Windeinfluss ein angenehmer und noch dazu schöner Ort zum Verweilen. An manchen Stellen ist die gesamte Decke mit Eiskristallen übersät, andernorts gibt es kleine gefrorene Wasserfälle oder  Stalaktiten und Stalagmiten aus Eis zu bewundern.

Dass es erst gegen 6 Uhr morgens ins Bett ging spielt hier oben ja glücklicherweise keine Rolle – solange die sonntäglichen Termine „Basketball“ und „Kajakpolo“ eingehalten werden…

…in die Ice Cave!!! Wir haben gerade beschlossen jetzt 12 Uhr nachts Richtung Larsbreen zu gehen und unter den Gletscher zu steigen um die dortige Höhle zu erleben…

Ich wünsche einen schönen Abend in die Runde!!! ;-)

Ich definiere hiermit, dass es jetzt wirklich dunkel ist. Meiner Definition nach, sehe ich natürliches Licht ab jetzt für die nächsten 10 Wochen nicht. Nachdem ich gerade mit einem meiner Mitbewohner Urlaubsbilder angeschaut habe, die sowohl von Helligkeit als auch von Bäumen – ja gar Wäldern – erzählt haben, könnte man meinen, dass mich diese dunkle, eintönige Phase abschreckt. Aber nach ein paar Gläsern Rotwein und mitten in einem Kajakpolturnier, das morgen zu Ende gehen wird, stört mich die Dunkelheit eigentlich recht wenig. Und zudem bin ich ja aus Braunschweig im Winter nur grau in grau gewöhnt. Dann doch lieber weiß auf schwarz…

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