Januar 2009


Was mache ich hier also so den lieben langen Tag – abgesehen vom Studieren und den üblichen Beschäftigungen, die ich hier immer wieder beschrieben habe? Gestern zum Beispiel klingelte gegen Abend das Telefon und Jago wollte mich auf einen spontanen Scootertrip zu einer russischen Hütte in einer verlassenen Siedlung im Colesdalen überreden. Da ja bekanntlich „Nein-Sagen“ nicht zu meinen Stärken gehört, ging es dann auch gegen 22:00 Uhr los. Die Siedlung ist am inzwischen wieder eisfreien Isfjord gelegen und befindet sich mitten zwischen Barentsburg und Longyearbyen. Der „Lichtschein“ beider „Städte“ deutete uns also den Weg. Die Hütte selbst war überraschend einladend, ja gar hübsch und in ihr ein kleines Museum eingerichtet.

Einer anderen beliebten Aktivität gingen wir am letzten Wochenende nach. Bekannterweise ist das Liftsystem hier oben etwas dünn gesäht, sodass man, falls man mehr als nur eins, zweimal einen Hang hinunter Telemarken will, andere Wege einschlagen muss. Zu mindestens zwei Personen geht es mit einem Scooter hinauf auf den Berg, hinab fährt einer der beiden mit Skiern, hinauf gehts wieder mit dem Scooter und so weiter und so fort. So kommt man dann doch auf einige Abfahrten!!! Nächste Woche wird dann die nächste Variante ausprobiert: An einem Seil hängend, welches am Scooter montiert ist, wird ganz wie beim Wasserskifahren ein Schwung nach dem anderen gezogen…

Nach langer Zeit gibt es also doch wieder Neuigkeiten aus dem hohen Norden. Eigentlich dachte ich ja, dass ich in der dunklen Saison ein wenig mehr zum Pflegen meines Blogs kommen würde, aber irgendwie ist immer etwas zu tun – glücklicherweise. Gerade in den letzten Wochen ist hier vor allem mit all den neuen Studenten sprunghaft wieder Leben in den Baracken eingekehrt. Aber auch die Einsamkeit über Weihnachten und Silvester war eine wirklich schöne Erfahrung. Meine ersten beiden Bücher auf Norwegisch zu lesen und im Dunklen mit einem selbst reparierten Scooter durch die Gegend zu heizen, möchte ich nicht missen. Im Januar wurde es dann aber, wie bereits erwähnt, wieder „crowdy“. Und dabei als „alter“ Student von den all den Neuen mit Fragen gelöchert zu werden, ist schon ein etwas seltsames Gefühl. Plötzlich ist man einer der „Erfahrenen“ hier oben.

Richtig interessant war der einwöchige Safetykurs zu Beginn des Semesters. Die Inhalte reichten von erster Hilfe, über Lawinrettung und Gletscherbergung bis hin zu Grundlagen über das Seeeis. Dabei waren sowohl Theorie als auch praktische Übungen im Programm inbegriffen – bei Temperaturen von bis zu -32°C besonders für die neuen Studenten eine interessante Erfahrung.  Gekrönt wurde die Woche von einer vierstündigen Rettungs- und Bergungssimulation am Fuße unseres Hausgletschers Longyearbreen. Ob die anschließende Party an UNIS eigens für mich organisiert wurde, wage ich allerdings trotz des Datums (10.01.) zu bezweifeln. ;-)

Inzwischen ist mit dem Beginn der Vorlesungen eher wieder der „normale“ Wochenrhythmus eingekehrt: Telemarken, Scooterfahren, Rugby, Kajakpolo, das erste „Blau“ am Horizont bewundern und ganz viel Norwegisch reden!!!