September 2008


Schnee!!!

Snø!!!

Snow!!!

Snö!!!

Neige!!!

Vielleicht erklären die folgenden Zahlen, warum ich hier in letzter Zeit so wenig Beiträge verfasst habe. Soweit ich mich erinnern kann, waren dies meine Aktivitäten in den letzten 14 Tagen: 3 Tage Seekayak, 2 Tage Wandern, 3x Rugby, 3x Klettern, 2x Kayakpolo, 2x Fußball, 1x Segeln.

Wenn man hier erstmal Mitglied des hiesigen Sportvereins geworden ist (Svalbardturn), der sowohl für Studenten als auch Einheimische offen ist, dann sind alle Aktivitäten in der Sporthalle im Preis inbegriffen. Das selbe gilt für Tagesausflüge mit Kanu und Segelboot im Segelklub (Svalbard Seilforening). Und wenn dann eine Rundmail mit dem Betreff „Rugby at 6pm“ verschickt wird, dann ist die Hemmschwelle, sich an der Aktivität zu beteiligen wirklich sehr gering. Versauern muss hier also keiner – auch nicht in der dunklen Jahreszeit – ein bisschen Eigenantrieb sollte natürlich schon vorhanden sein. Positiv aufgefallen ist mir vor allem die Hilfsbereitschaft wirklich Vieler. Sei es das Üben der Eskimorolle oder eine Einführung ins Klettern oder Rugbyspielen, stets opfern Sportartenerfahrene ihre Zeit. Ich freu mich auf den ersten Schnee, dann kann ich hoffentlich auch ein paar Neulinge (also wohl nur Nichtnorweger) in den Skilanglauf einführen…

Ansonsten gibt es dann natürlich noch die häufigen abendlichen gemütlichen Runden, wie das „Friday Gathering“ bei dem wir heute an der Uni grillen werden, die „3rd Half“ nach dem Rugby oder irgendwelche „Kitchen Parties“ ohne tieferen Hintergrund. Die Internationalität der Aktivitäten ist dabei ein besonderer Spaßfaktor. Wenn sich der deutsche Christian mit dem Franzosen Nils auf norwegisch zu unterhalten versucht, macht mir das Spaß und die anwesenden Norweger amüsieren sich bestimmt auch nicht unbeträchtlich ;-) Zudem entdeckt man interessante Dinge wie isländischen Reggae und erfährt, dass Led Zeppelin unter isländischen Mädels immer noch angesagt ist.

Um einen Haufen zurückgezogener Einzelgänger handelt es sich hier also wahrlich nicht…

Zum Abschluß der vorigen Aktivwoche ging es mit einer, wieder mal, rein deutschen Reisegruppe (Johannes, Wiebke, Nils und meinereiner) auf einen dreitägigen Trip in die verlassene russische Siedlung Grumant. Der Plan sah vor, bei Windstille am Freitag entlang der Steilküste bis Grumant vorzustoßen, Samstag bei vorhergesagtem starkem Wind eine kleine Wanderung in der Umgebung zu unternehmen und Sonntag bei hoffentlich ruhigerer See wieder zurückzukehren.

Nach kurzer Eingewöhnung auf das Paddeln und den jeweiligen Kayakpartner ging es auch recht flott nach Grumant mit tollen Ausblicken auf die Küste und einer zwischenzeitlichen kurzen Trink- und Nahrungsaufnahmepause in Björndalen. Nach knapp vier Stunden waren wir angekommen. Im eigentlich potentiell einsamen Grumant wurden wir dann von einer Reisegruppe überrascht, die allerdings nach kurzer Zeit wieder den Weg in ihr Motorboot fand und uns die Siedlung für das weitere Wochenende überließ. Zwar ist im „Ort“ alles ziemlich „verranzt“ und schäbig aber irgendwie strahlt er trotzdem eine gewisse Magie aus. Ich hoffe, dass das auf den Bildern ein wenig rüberkommt. Genächtigt haben wir übrigens im 2. Obergeschoß eines der Häuser, das als „eisbärensicher“ gilt. So brauchten wir uns weder um die Sicherung unseres Zeltes noch ums Wacheschieben kümmern – und der Ausblick aus dem Fenster unseres „Hotels“ war im Gegensatz zur Ausstattung sogar 5-Sterne-reif. Und für die mangelnde Ausstattung entschädigte das Grillen am Strand mit obligatorischem Whisky. Besonders stilvoll finde ich, dass man sich das Brennmaterial einfach irgendwo aufsammelt. An Kohle mangelt es hier wahrlich nicht.

Am nächsten Tag ging es dann bei eher mäßigem Wetter hinauf ins Fjell, wo uns ziemlicher Starkwind erwartete. Die Vorfreude auf die Kayakrücktour stieg also ;-) Nachdem Nils Steißbein auf dem Rückweg noch Bekannschaft mit einem Eisfeld und einigen Steinen gemacht hatte, ging es doch noch sicher zum abendlichen Grillen an den Strand. Fast schon Routine, die da bei uns einkehrte.

Das Highlight der Tour war aber die Rückfahrt. Bereits am Samstag Abend konnten wir am Horizont eine dunkle Wand erspähen. Das war die Wellenfront, die durch den Wind aufgepeitscht, langsam in den Fjord hineinlief. Sonntag waren die Wellen dann da. 1-2m hoch, recht unregelmäßig und mit ersten Gischtkronen. Nach kurzer Diskussion wurde die Situation von uns allen aber als gerade noch fahrbar eingestuft und so ging es auf in die Wellen, immer entlang der Steilküste. Es ist wahrlich ein interessantes Gefühl wenn man zwischen den Wellen sein Partnerboot für einige Momente nicht mehr sehen kann und sich teilweise bis zum Bauch im Wasser befindet. Leider gibt es davon keine Beweisphotos, denn seine Spritzdecke zu öffnen, ging uns allen dann doch zu weit…

Da ich die diese Woche keine Vorlesungen habe, standen die letzten Tage ganz im Zeichen verschiedenster Freizeitaktivitäten.

Am Sonntag Abend ging das Ganze mit Kayak-Polo (besser wäre eigentlich der Begriff „Kayak-Rugby“) los. Auch wenn ich ein wenig viel Wasser geschluckt habe, war das ganze ein enormer Spaß und das anschließende Üben der Eskimorolle stimmt mich zuversichtlich, dass die geschluckte Wassermenge in Zukunft geringer ausfällt.

Montag ging es dann mit Jordan auf den Nordenskjöldtoppen, den mit 1050 Metern höchsten Berg der Umgebung. Die Sicht war zwar nicht perfekt, aber nur blauer Himmel ist ja auch langweilig. Und so kam endlich richtig arktisches Feeling auf. Ab etwa 500 Metern über dem Meeresspiegel liegt eine geschlossene Schneedecke und vor allem beim Abstieg wünschte ich mir meine Ski herbei. Aber die Ski-Saison beginnt ja bald.

Gestern war ich dann mit Nicki und Heidi ein wenig auf dem Adventfjorden segeln. Nicki hat bereits Segelerfahrung, sodass ich mich ganz entspannt durch die Gegend kutschieren lassen konnte.

Ja, und gleich geht es dann zum Fußball spielen und anschließenden Klettern. Und morgen wird dann Rugby gespielt, während es Freitag wohl wieder zum Wandern geht. Ihr seht also, langweilig wird mir hier nicht ;-)

01 Uhr Ortzeit:

Gerade bricht nach langer Zeit mal wieder das Erlebnis der Dunkelheit über mich herein. Es wird von Tag zu Tag dunkler und ich habe für mich beschlossen, das gerade jetzt als erste „Nacht“ zu bezeichnen. Und ab jetzt werden es jeden Tag 25 Minuten mehr Nacht….

Nach langer Pause gibt es endlich mal wieder etwas von mir zu hören. Dank meines Besuchs von Elle, Lea und Hanna und der beginnenden Univorlesungen hatte ich doch recht viel zu tun, habe aber auch extrem viel erlebt.

Seit letztem Donnerstag war ich dann für 5 Tage in der Forschungssation Ny Ålesund, in der im Sommer ca. 150 Menschen leben, von denen 50 auch dort überwintern. Endlich kam ich einmal dazu, norwegisch und englisch über einen längeren Zeitraum zu sprechen – endlich waren kaum deutsche in meiner Nähe ;-) Anlaß meines Besuchs war eine Exkursion des Kurses in arktischer Hydrolgie, an der vier Studenten und zwei Betreuer teilnahmen – eine gute Betreuungsquote war also garantiert.

Neben den Vorlesungen vor Ort blieb aber genug Zeit, die vergletscherte Umgebung erkunden – eine Landschaft, die einen ganz anderen Charakter als Longyearbyens Peripherie hat. Und die Exkursionen hatten teilweise schon einen fast touristischen Charakter. So wanderten wir auf den nahen Gletscher Bröggerbreen, machten einen Boots- und Wandertrip auf eine Nachbarinsel und fuhren anschließend durch das Eisgewirr der kalbenden Gletscher um die Insel herum.

Dass der Flug an sich mit seinen Ausblicken (in einer 16-Mann Maschine) bereits die Reise wert war, das 24 Stunden am Tag Essen und Whirpool inklusive war und dass man von der Lounge der Cafeteria entspannt auf die Gletscher schauen konnte, während man sich einen Umsonst-Kaffee schmecken ließ, verschweige ich an dieser Stelle lieber….