August 2008


Nach den letzten, mit Aktivitäten vollgepackten, Tagen, finde ich endlich mal wieder ein wenig Zeit, etwas zu schreiben. Eigentlich hatte ich sogar eine mehrtägige Wanderung vor, die sich aber zerschlagen hat. So ging es Samstag spontan zum Kajakclub, um uns (das waren Mona, Annika, Patrik und ich) die Ausrüstung für die Fjordüberquerung auszuleihen. In 2 Zweiern und bei ordentlichem, wenn auch nicht gefährlichen Seegang, ging es dann hinüber auf die andere Seite des Fjords. Die Perspektive aus dem Boot zurück nach Longyearbyen und auf die Berge dahinter war eine willkommene Abwechslung.

Auf der anderen Seite angekommen, entschlüpften wir unseren semi-wasserdichten Überlebensanzügen, führten eine Aufwärmtanz auf und machten uns daran, eine Hütte auf 550 Metern Höhe im Hjortfjellet zu erklimmen. Nach ein paar Problemen in der Wegfindung, ging es immer steiler werdend den Berg hinauf. Die grünen Wiesen wurden immer spärlicher und schlussendlich ging es teilweise auf Händen und Füßen einen einzigen Schuttberg hinauf. Dass hier oben vor einigen Jahren noch Kohle abgebaut wurde, ist nahezu unglaublich. Die Bedingungen unter denen gearbeitet werden musste, müssen unmenschlich gewesen sein.

Um uns den Abstieg zu versüßen, hatten wir uns schon auf dem Hinweg ein Schneefeld ausgeguckt, dass wir nun mit schönen Carving-Schwüngen, aber ohne Skier hinunterschlitterten. Aus über 2 Stunden Anstieg wurden so circa 30 Minuten Abstieg – gespickt mit riesigem Spaß. Dass sowohl Patrik als auch ich unsere Wertsachen und Schlüssel im bereits abgeschlossenen Kajak-Club vergessen hatten, trübte den Spaß ein ganz wenig ;-) Aber zumindest ich hatte mein Zimmer nicht abgeschlossen und verbrachte eine schöne Nacht in meinem Bett. Patrik genoß derweil die Atmsophäre auf der Couch in der Küche…

Der folgende Sonntag wurde dann zu einem „lazy Sunday“, der dank Patriks und meiner großer Klappe mit einem Bad im Polarmeer begann und mit Kartenspielen und  „Into the Wild“ mit schwedischem Untertiel endete. Dank Louises großer Klappe ging es dann zum Abendspaziergang zwischendurch anstatt auf dem durchaus vorhandenen Pfad, direkt durchs Geröll zur Mine 2b hinauf. Nach einigen dänischen Schimpftiraden zwischen Louise und Camilla, einigem Angstschweiß und mit zwei dreckigen Hosen, haben die beiden es aber auch überlebt ;-)

Gestern war es endlich soweit. Eine morgendliche Konversation Patriks mit Rasmus, in der Patrik ein wenig rumgejammert hat, dass wir ja bisher noch keine richtige Tour machen konnten, weil wir schlicht keine Waffe für den nötigen Eisbärenschutz besitzen, half uns. Sie hat dazu geführt, dass Rasmus uns seine Mauser aus dem 2. Weltkrieg ausgeliehen hat. Also war schnell unser Plan gefasst rauf zum Trollsteinen zu wandern. Gegen 17 Uhr ging es dann mit Tim, einem weiteren Deutschen, also zu dritt auf den Weg.

Hinauf ging es über loses Geröll, weiche Moränengürtel und teilweise auch über den Larsbreen, aber stets weglos. Bedenkt man, dass Larbreen zu den kleinsten Gletscher Svalbards gehört, wird einem schnell bewusst in welchen Dimensionen man sich hier bewegt. Die Landschaft ist einfach traumhaft und der Neuschnee, der die gesamte Szenerie ab ca. 500m überdeckt, tut sein übriges. Er macht den Anstieg auf dem Grat zum Trollsteinen allerdings auch recht beschwerlich, sodass wir nur langsam vorankommen und immer wieder in Schneewehen fast hüfthoch einsinken. Der Ausblick entschädigt aber für die nassen Füße. Oben angekommen genießen wir den 360° Rundumblick und freuen uns einfach nur, heute genau diese Tour gemacht zu haben.

Auf dem Rückweg sehen wir dann auch noch, was Gletscher so gefährlich macht. Schmelzwasserkanäle, plötzlich auftauchende 15m tiefe Löcher im Eis und Spalten zeugen davon, dass man besser nicht zu leichtsinnig werden sollte. Aber wir kommen gut in der Baracke an und sprechen noch stundenlang bei Kaffee und ganz viel Essen über das Erlebte. Ein perfekter Tag!!!

Für heute möchte ich Euch nur ein paar Impressionen aus der Umgebung der Studentenbaracken liefern. Über Nacht hat es wieder geschneit, sodass diese Panoramen möglich wurden. Der Inhalt der heutigen Eröffnungsvorlesung des Semesters war zwar ebenfalls durchaus interessant, ich erspare ihn Euch aber trotzdem ;-) Das Wetter ändert sich hier übrigens wirklich rasant. Vor einer halben Stunde beim Photografieren schien noch die Sonne und jetzt ist es wieder diesig und dicke Flocken klatschen an mein Fenster…

Heute Abend werden wir noch mit ein paar Leuten in die „Svalbar“ (irres Wortspiel) zum Billard-Spielen gehen – „Nightlife“ gibt es also auch, was will man mehr?!

Innerhalb der letzten zwei Tage stand für mich der, für UNIS-Studenten obligatorische Sicherheitskurs, auf dem Programm. Dabei lag der Fokus auf dem Verhalten in arktischen Gefilden und insbesondere auf Svalbard. Der Eisbär stand dabei natürlich im Mittelpunkt, aber auch die Vermeidung von Erfrierungen, erste Hilfe, Kommunikation und Orientierung waren im Theorie-Programm inbegriffen. Jörgen hat uns für das, was passieren kann, falls man hier oben Fehler macht, zudem einige extrem abschreckende Bilder gezeigt. Erfrierungen waren dabei noch das kleinere Übel. Das Bild eines von einem Eisbären zugerichteten Fußes (oder sagen wir des Körperteils, der sich einmal Fuß nannte) war ziemlich schockierend. Zwischendurch entschwand Jörgen dann für 15 Minuten, um ein paar Anrufe bezüglich eines Eisbärproblems zu erledigen. Zwei Wanderinnen mussten ihre Essensvorräte nämlich ungeplant mit einem umherstreifendem polar bear teilen und hatten Kontakt mit Longyearbyen aufgenommen. Jörgen ist der für die Organisation der weiteren Maßnahmen Zuständige – und unsere Lehrer. Ziemlich authentisch!!!

Am interessantesten für uns war natürlich sowieso der praktische Teil, der unter anderem aus einem Schußtraining und einer kleinen Badesession mit einem Überlebensanzug im 1°C kalten Nordantlantik bestand. Der Überlebensanzug ist zwar modisch nicht auf dem neuesten Stand, aber dadurch, dass er das Wasser (weitesgehend) vom Körper fernhält, konnten bereits Fischer 24 Stunden im eiskalten Wasser überleben, bevor sie gerettet werden konnten. Ansonsten, denke ich, dass die Bilder und das Video das Geschehen am Hafen am besten wiedergeben… ;-)

Nach dem anschließenden Schießtraining auf 30 Meter entfernte Bilder eines ausgewachsenen Knut, muss ich übrigens zugeben, dass das Ganze schon Spaß gemacht hat. Zwölf Schuß waren eindeutig zu wenig!

Jegliches Equipment was wir für den Safety Course benötigten, befindet sich übrigens in einem riesigen, von der Universität verwalteten Lager. Dort befinden sich Schlauchboote, Waffen (natürlich gesichert ;-) ), Zelte, Überlebensanzüge, Wathosen und vieles mehr. Den Studenten steht dieses Material teilweise zum Verleih zur Verfügung, insbesondere dient es aber dazu die sogenannten „Field Works“ durchzuführen. Ich selbst werde im September auf zwei solche mehrtägigen Exkursionen gehen.

Gestern Abend habe ich übrigens mein erstes Brot gebacken. Das Ergebnis seht ihr unten. Ansonsten verbitte ich mir jedwegen Kommentar ;-)

Hallo zusammen! Ich habe den Blog ein wenig überarbeitet und hoffe, dass Euch die neue Aufmachung gefällt und sich als praktikabel erweist. Photos gibt es jetzt groß in einer Unterrubrik und zusätzlich ein paar Infos zu Svalbard. Falls ihr weitere Anregungen für mich habt, nur zu… Jetzt also weiter zur Tagesordnung:

Nachdem ich gestern Nacht gar nicht mehr daran geglaubt hatte, dass unsere geplante Tour Richtung Longyearbreen (Breen = Gletscher) mangels Sicht ausfällt. Nach dem Aufstehen blicke ich aber auf eine schneebedeckte Landschaft im Sonnenschein. Für den Blick zahle ich dann doch gerne die 2800 NOK pro Monat ;-) Also auf gehts.

Bei unserem Treffpunkt am Frühstückstisch erscheint ein Student nach dem anderen, sodass wir schließlich zu neunt losziehen. So wird das ganze zwar eher ein Spaziergang als eine Wanderung, aber nette Gesellschaft ist ja auch was schönes. Die Truppe ist mal wieder bunt gemischt und setzt sich aus 5 Nationen zusammen. Als Führer fungiert Allan, der uns mit seiner Mauser aus dem 2. Weltkrieg vor Eisbären beschützt. Unterwegs versuche ich ein paar Brocken Dänisch und Norwegisch aufzuschnappen, was sich beim Norwegischen als wesentlich einfacher erweist. Die Norweger und Schweden behaupten nicht umsonst, dass die Dänen reden, als wenn sie eine Kartoffel im Mund haben. Camilla und Luise behaupten natürlich das Gegenteil ;-)

Während nahezu der gesamten Wanderung bewegen wir uns in einer Moränenlandschaft, die der Gletscher im Laufe der Jahrhunderte gebildet hat. Der Boden ist zumeist lose und rutschig und trotzdem finden sich immer wieder kleine, zarte Pflänzchen in dieser rauen Natur. Je höher wir Richtung Gletscher steigen, desto schöner wird die Aussicht und am Gletscher angekommen bin ich wirklich überwältigt. Eingebettet in frischen, weißen Neuschnee liegt er majestätisch im Tal. Bei diesem Anblick würde ich am liebsten sogleich kilometerweit weiterwandern, aber leider hat unser „Führer“ Allan noch etwas vor und wir müssen umkehren… Es wird sicher nicht der letzte Ausflug zum Longyearbreen bleiben.

Heute Abend trifft sich die Wandergruppe dann noch zu Kaffee und Kuchen in unserer Küche, wohin ich mich jetzt auch zwecks Brotbackens verdrücken werde…

Während der letzten 2 Tage ist soviel passiert, dass ich es kaum hier aufführen kann, also werde ich mich um eine Kurzfassung bemühen:

Nachdem ich angekommen bin, habe ich vor allem mit meinem direkten Raumnachbar Patrik die Gegend erkundet. Das heißt, wir haben auf einem Spaziergang von circa vier Stunden sowohl alles Organisatorische an der Universität, unseren ersten Einkauf sowie eine Stadterkundung Longyearbyens geschafft. Das zeigt zum einen wie angenehm unbürokratisch das Studium hier abläuft und zum anderen die Ausmaße der „Metropole“ Longyearbyen ;-) Am meisten Zeit hat uns wahrscheinlich noch der Einkauf im einzigen Supermarkt des Ortes, der Svalbardbutikken, gekostet. So genau habe ich jedenfalls noch nie Preise verglichen – und so wenig habe ich wahrscheinlich auch noch nie für 35€ gekauft. Das 1l Frischmilch mehr als drei Euro kosten kann, war mir bis dato ebenfalls unbekannt.

Dass Spitzbergen für Studenten aber nicht immer teuer sein muss, zeigte uns direkt der Abend, denn beim sogenannten „Friday Gathering“ gab es jegliche Getränke zum Preis von 10 NOK, also nicht einmal 1,50€. Dazu gab es noch ein Diashow der „Frozen Five“, die Svalbard auf Skiern und Pulka innerhalt einer 77tägigen Frühjahrsexpedition durchstreift haben. Die Bilder dieses Abends sagten mir: „Du MUSST hier wirklich ein volles Jahr bleiben“. Als das Bier dann merkwürdigerweise ausgegangen war, mussten wir auf die Küche über unserer in Baracke 13 ausweichen. Dort traf sich dann das bunt gemischte Volk aus Norwegerinnen, Isländerinnen, Tasmaniern, US-Amerikanern, Schotten, Engländerinnen und nicht zuletzt Deutschen für das eine oder andere Bier mehr… Wer genau die dumme Idee hatte, danach noch ins „Huset“, zu deutsch einfach nur „Das Haus“, also dem einizgen „Club“ der ganzen Insel zu marschieren, weiß ich nicht mehr. Ich weiß aber, dass es wirklich merkwürdig ist, die ganze Nacht in völliger Helligkeit zu feiern. Aber ab September wird es ja schnell wieder dunkel…

Der heutige Tag war der Nacht davor entsprechend recht entspannend. Lediglich ein kleiner Regen-Spaziergang, mit Patrik Richtung Gletscher, stand auf dem Programm. Dabei hatten wir aber Glück und konnten zwei Rentiere aus der Nähe beobachten, wie sie sich an einem kleinen Areal Grünfläche zu schaffen machten. Dass es jetzt gerade schneit und ich 2 Uhr nachts hellwach in der Helligkeit sitze, dürfte Euch ja nicht mehr wundern ;-)

Aus aktuellem Anlaß (es schneit gerade!!!) möchte ich hier einmal ein Bild, aus Patriks Fenster heraus photografiert, reinstellen. So kühl hätte ich es dann doch nicht in dieser Jahreszeit erwartet. Vielleicht bringt ihr doch ein paar wärmere Sachen mit, Elle und Co. ;-)

Nachdem ich mich bereits Mittwoch Abend auf den Weg gemacht habe, bin ich heute Nacht um 3 Uhr endlich im hellen Longyearbyen gelandet. Es ging ueber die Stationen Berlin und Oslo in den hohen Norden und auch der Olympiastadt von 1994, Lillehammer, habe ich einen kleinen Besuch abgestattet.

Aber der Reihe nach: Zuerst ging es, wie erwähnt, nach Berlin wo ich Igor einen Besuch abstattete, und auch bei ihm übernachtete. Danke nochmal für die unkomplizierte und nette Unterkunft!!! Natürlich ging es abends auch noch ein wenig auf die Piste, namentlich in das wohl berlinweit berühmt berüchtigte Q-Dorf. Ich sag mal „Naja“ ;-) . Da meine morgendliche Bahn zum Flughafen selbst bei knapper Kalkulation spätestens um 7:26 Uhr fuhr (9:10 Uhr ging mein Flieger), musste ich auch recht früh wieder aus den Federn. Daher ist mein Schock als ich um 7:20 Uhr auf meinen Wecker schaute, eventuell nachzuvollziehen. Also hieß es: Anziehen, Reste zusammenpacken, Rucksack aufschnallen und mich und meine 50kg Gepäck irgendwie zur S-Bahn schaffen. Bis auf das lösen des Tickets hat das alles sogar zeitlich irgendwie noch hingehauen, auch wenn es mich die Treppe zur S-Bahn hoch in der Eile fast rückwärts wieder runtergeworfen hätte, aber so musste ich zusätzlich zu meiner Müdigkeit auch noch 35min der Angst vor dem Kontrolliertwerden klarkommen. Dementsprechend fertig kam ich am Flughafen an und vom Flug nach Oslo habe ich schlafenderweise nullkommanix mitbekommen.

Von dort aus machte ich mich dann in das kleine, gemütliche Lillehammer auf um mir den Olympiapark von 1994 anzuschauen. Glücklicherweise trainierte dort auch einige Skispringer, so dass ich die Gelegenheit bekam ein wenig mit meiner neuen Kamera herum zu spielen. Aber ich entdeckte weder Björn Einar Romören noch Anders Jacobsen, es war die deutsche Nationalmannschaft, die hier ihr Training abhielt. So konnte ich aber wenigstens noch viel Erfolg für den nächsten Winter wünschen.

Wieder in Oslo-Gardermoen angekommen, war es bereits komplett hell geworden. Sobald der Flieger aber die Wolkendecke nach dem Start durchquert hatte, zeichnete sich im Nordwesten das Licht der Mitternachtssone ab – ein Licht, das immer heller wurde bis es schließlich taghell wurde. Die Vorfreude stieg mit jeder Minute und ich hoffte bereits auf eine tolle Sicht aus dem Flugzeug auf mein Zuhause für die nächsten Monate. Leider war es aber so diesig, dass ich absolut nichts erkennen konnte. Und pünktlich nach der Landung begüßte mich ein kalter Wind, 3°C und einzelne Schneeregenflocken. Ok. Ich bin also in der Arktis angekommen…

Gleich zu Beginn kann ich die Kargheit der Landschaft ermessen. Bei diesem Wetter schimmert alles Grau in Grau, der Ort Longyearbyen wirkt trostlos und leer und die Baracken für die Studenten stehen in einer einzigen Geröllhalde. Aber als Vorgriff auf den nächsten Beitrag möchte ich Euch schon einmal sagen, dass dieser Eindruck nicht der einzige bleiben wird. Heute hat sich Longyearbyen schon in einem ganz anderen Licht gezeigt und ich beginne mich an die Arktis zu gewöhnen und sie zu mögen…